Seit meiner Geburt 1965 habe ich eine Skoliose. Meiner Mutter fiel dies sofort auf - ich war ihr viertes Kind. Die Ärzte erklärten ihr erst, dass sie sich das alles nur einbilde, dann, dass es sich verwachsen würde. Nun, verwachsen hat es sich - zu 125 Grad.
Inzwischen habe ich drei OP’s hinter mir. Ein Teil meiner Wirbel sind versteift. Die Lunge hat derzeit ein Volumen von 40 %. Beim Herz sieht es nicht viel besser aus. Aber das hört sich eigentlich alles schlimmer an als es wirklich ist. Meine ersten beiden OP’s ist nun schon 29 Jahre her.. Inzwischen ist die Medizin ja wieder etwas weiter und es gibt neue Operationsmethoden. Auch für solche - eigentlich aussichtslosen - Fälle wie mich *grins*. Keine OP ist angenehm und gerade an der Wirbelsäule ist das Risiko sehr gross aber oft hat man gar keine andere Wahl. Trotzdem würde ich jedem raten sich den Eingriff gut zu überlegen, andere Ärzte zu fragen und mit Betroffenen Kontakt aufzunehmen. .
Ich weiss, dass viele Ärzte immer noch sagen, dass Skoliose nicht vererbbar sein. Die Aussage ist so nicht korrekt, denn oft hängt es auch von Grund und Ursache der eigenen Skoliose ab. Ich habe mir deshalb vor vielen Jahren abgewöhnt solchen Aussagen blind zu vertrauen. Der Preis ist - für mein Empfinden - viel zu hoch.
Den letzten Anstoss zu diesen Seiten gab mir Martina Walter. Sie hat ihre Geschichte schon vor Jahren aufgeschrieben. Sicher sind Bücher immer Geschmacksache und heute ist ja auch schon wieder vieles ganz anders als vor fast 30 Jahren. Das darf man nie vergessen. Auch sollte man nie versuchen ihr Schicksal mit dem eigenen zu vergleichen. Das bringt nichts. Jeder ist einmalig und jede Skoliose ist einmalig. Mich hat ihr Buch vor Jahren sehr beeindruckt - Erinnerungen geweckt. Ich habe es dann geschafft mit ihr Kontakt aufzunehmen und noch heute lesen wir ab und zu voneinander. Also danke Martina, dass du mir den Mut gemacht hast meine Geschichte zu erzählen.....
Mein Leben mit der Skoliose....
Hier findet ihr die Geschichte meiner Skoliose. Ich hab so nach und nach meine Erinnerungen versucht aufzuschreiben. Teilweise musste ich auch auf die Erzählungen meiner Eltern zurück greifen. Das war nicht immer ganz einfach, denn nicht jede Erinnerung ist angenehm. Vielleicht steht jetzt die Frage im Raum, warum ich das gerade hier alles aufschreibe. Ich denke, dass es heute immer noch genug Leute gibt, die wie ich, vor Jahren operiert wurden und eine Langzeitstudie gibt es noch nicht über diese OP-Methode. Vielleicht kann man so gegen Unsicherheiten angehen und auch anderen Betroffenen etwas Mut machen, denn es lässt sich auch damit ganz gut leben....
Was ist SKOLIOSE??
Darunter versteht man eine Verbiegung der Wirbelsäule. Diese wird zunächst als seitliche Ausbiegung gesehen, geht aber immer auch mit einer Verdrehung der Wirbelkörper einher. Häufig sieht man eine S-förmige Verbiegung (wie in meinem Fall).Die Skoliose führt nach und nach zu strukturellen Veränderungen der Wirbelkörper mit Verlust der Beweglichkeit. Dadurch kommt es zum typischen Bild der Skoliose mit dem kosmetisch störenden Rippenbuckel und Lendenwulst sowie den Veränderungen an Schultern und Becken. Außerdem können Störungen im Bereich der inneren Organe, vor allem des Herzens und der Lunge auftreten. Es kommt somit bei vielen Betroffenen zur Reduzierung der Atemkapazität sowie zu einer Rechtsherzüberlastung und häufig treten Schmerzen auf. Die Folgen sind eine deutlich eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit und eine Einschränkung der Lebensqualität.
Die zusammengesetzte Skoliose besteht aus Krümmung und Gegenkrümmung. Wir nennen sie S-förmig bzw. umgekehrt S-förmig. Die dreimal gebogene Wirbelsäulenverkrümmung wird als Tripleskoliose bezeichnet. Selten weist die Skoliose vier bzw. fünf Krümmungen auf. Ist die Wirbelsäule sehr stark verbogen, so kommt es zu einer erheblichen Verkürzung des Rumpfes. Hierdurch treten oft schon im jugendlichen Alter Veränderungen der Brust- und Baucheingeweide auf, die zu schweren Störungen führen können. Besonders unangenehm wirkt sich die Verlagerung des Herzens aus, das bei starken Skoliosen am meisten geschädigt wird und infolgedessen vorzeitig versagen kann. Bei hochgradigen Skoliosen kommt es zu einer erheblichen Herabsetzung der Vitalkapazität. wodurch ebenfalls die Herzkraft über Gebühr beansprucht wird. Infolge der Verbiegung der Wirbelsäule und der mit dieser verbundenen Änderung der Belastung kommt es an der konkaven Seite der Wirbelkörper schon frühzeitig zu spondylotischen Spangenbildungen, die als Zeichen einer Überbelastung des betreffenden Bezirks anzusehen sind. Ist es zu einem Drehgleiten des Wirbels in der Lendenwirbelsäule gekommen, so zeigen auch die kleinen Wirbelgelenke schwere arthrotische Deformierungen.
Um den Grad der Verbiegung einigermaßen kenntlich zu machen, teilt man gewöhnlich die Skoliosen nach anatomischen Gesichtspunkten in drei Gruppen ein:
1. Skoliose ersten Grades: Sie ist charakterisiert durch eine geringgradige Verkrümmung der Wirbelsäule mit leichter Torsion, deren Ausgleich zwar aktiv nicht mehr möglich ist, aber passiv leicht gelingt;
2. Skoliose zweiten Grades: Die Verbiegungen sind ausgeprägter und die Torsion ist deutlicher zu sehen. Rippenbuckel bzw. Lendenwulst sind stärker geworden.
3. Skoliose dritten Grades: Sie ist charakterisiert durch eine schwere, den ganzen Rücken erfassende Verbiegung der Wirbelsäule mit starkem Rippenbuckel und Lendenwulst; starke Deformierungen des Brustkorbes und Überhängen desselben nach einer Seite.
4. Skoliose vierten Grades: Schwerste starre Skoliose mit Verkleinerung und Verunstaltung des Rumpfes. Rippen ragen in das Becken.
Quelle der medizinischen Berichte:
Orthopädische Operationen Band 2 von 1971
Das stand mir durch meinen Orthopäden Dr. Seidlein zu Verfügung - Vielen Dank noch mal!!
sehr gut nachzulesen unter m-ww